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HEINZ CIBULKA. STADTQUARTETTE

24.05.2012 - 29.07.2012

Seine spezifische fotokünstlerische Ausdrucksform entwickelte Heinz Cibulka 1974. Damals entstanden die ersten Bildgedichte aus vier im Rechteck angeordneten querformatigen Farbabzügen – ein Konzept, aus dem sich sein gesamtes fotografisches Œuvre entfaltete. Zwei Impulse waren dafür entscheidend: einerseits Cibulkas Zusammenarbeit mit den Aktionisten Rudolf Schwarzkogler und Hermann Nitsch, als Modell der ersten und bevorzugter Fotograf späterer Aktionen; andererseits die Montageverfahren der filmischen und literarischen Avantgarde.

Cibulka arbeitet abseits traditioneller fotoästhetischer Strategien: Das fotografische Bild wird als Speicher unmittelbarer Erfahrung verstanden, die analoge Ausarbeitung der Prints überlässt er (in den ersten Jahren) industriellen Labors. Mit der Konstellation der Aufnahmen im Bildgedicht entsteht ein "fünftes Bild", das sich durch eine subtile Balance aus Korrespondenzen und Kontrasten zwischen den Einzelbildern auszeichnet. Der Betrachter wird zu einer assoziativen Lesearbeit angeregt, die sich nicht mit Eindeutigkeit abschließen lässt.

Bekannt sind vor allem jene Zyklen, die 1983 unter dem Titel Land-Alphabete zusammengefasst wurden. In ihnen widmet sich Cibulka Existenziellem – "Töten, Fressen, Zeugen, Gebären" – im Alltag von Landwirtschaft und Weinbau. Seit Beginn der Achtzigerjahre erweiterte er seine Erkundungen auf Städte. Er fotografierte etwa in Wien, Berlin, Rom, Neapel, Antwerpen, Warschau, New York und Tokio.

Diese wichtige Werkgruppe, die eine Entstehungszeit von vier Jahrzehnten umspannt, ist in der Ausstellung Stadtquartette anhand von 13 Bildgedicht-Zyklen erstmals vereinigt. Der städtische Raum wird damit als ein Leitmotiv Cibulkas fassbar. Darüber hinaus sind aus den Beständen der Fotosammlung WestLicht Werke von Schwarzkogler und Nitsch zu sehen, in deren frühen Aktionen Cibulka als Akteur fungierte.

Das Schaffen des gebürtigen Wieners seit den Sechzigerjahren ist Thema des Films Heinz Cibulka. TagTraumDeutung von Magdalena Frey, der im Rahmen der Ausstellung uraufgeführt wird.

Trotz zahlreicher Ehrungen und Preise ist Cibulkas fotokünstlerische Arbeit in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer unterrepräsentiert. Nun gibt es erstmals die Möglichkeit, sich umfassend mit seinem Werk auseinanderzusetzen. Stadtquartette, kuratiert von Marie Röbl und Rebekka Reuter, ist in Kooperation mit alien productions als Kuratorenteam für das MZM, Hermann Nitsch Museum Mistelbach entstanden. Dort wird bis zum 30. November 2012 die Retrospektive Heinz Cibulka - Im Takt von Hell und Dunkel gezeigt. Begleitend ist im Verlag Bibliothek der Provinz ein umfangreicher Werkkatalog erschienen.

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aus dem Zyklus Wien I, 1984
aus dem Zyklus Wien I, 1984
aus dem Zyklus Berlin - Empfindungskomplexe, 1985
aus dem Zyklus Rom, 1986
aus dem Zyklus Russia, 1986
aus dem Zyklus Napoli, 1986
aus dem Zyklus Wien II, 1986/88
aus dem Zyklus Wien II, 1986/88
aus dem Zyklus Linz wie Licht, 1991
aus dem Zyklus Antwerpen, 1991/92
aus dem Zyklus chinoiserie bg, 2000
aus dem Zyklus usa bg, 2008/09
aus dem Zyklus tokio bg, 2010
aus dem Zyklus mex bg, 2011
Hermann Nitsch, 12. Aktion, Fotografin: Franziska Cibulka (Krammel)
Rudolf Schwarzkogler, 4. Aktion, Nr. 4, Fotografin: Franziska Cibulka (Krammel)
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