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Hiroji Kubota, Demonstration gegen den Vietnamkrieg, New York 1964
Black Panthers, Chicago, 1969 © Hiroji Kubota/Magnum Photos
Kyaiktiyo, Burma, 1978 © Hiroji Kubota/Magnum Photos
Kaxgar, Xinjiang, China, 1980 © Hiroji Kubota/Magnum Photos
Pjöngjang, Nordkorea, 1978 © Hiroji Kubota/Magnum Photos

HIROJI KUBOTA

PHOTOGRAPHER

 

03.03. – 22.05.2016

In einer Europapremiere zeigt WestLicht zum Start des Frühjahrs die Retrospektive des japanischen Magnum Fotografen Hiroji Kubota (*1939, Tokyo). Seit den 1970er Jahren ist er eine der Säulen der Agentur, in den 1990ern baute er die Dependance der Fotografenvereinigung in Tokyo auf. Die Ausstellung umspannt in rund 80 Fotografien gut 50 Jahre seines Schaffens: von Kubotas fotografischen Anfängen im von der Bürgerrechtsbewegung aufgewühlten Amerika der 1960er und 70er, über seine Reportagen aus dem postrevolutionären China, bis zu den Erkundungen seiner japanischen Heimat.

Kubota ist ein Reisender. Sein favorisiertes Terrain ist nicht die hektische Tagesberichterstattung, er nimmt sich Zeit, sich auf das Besondere der Orte und ihre Menschen einzulassen. Rund sechseinhalb Jahre war er in China unterwegs, in sein Lieblingsland Burma kehrte er nach seinem ersten Besuch in den 1970ern insgesamt 75-mal zurück. In der Zusammenschau fügen sich die entstandenen Bilder zu facettenreichen Porträts der bereisten Länder. Kubotas einnehmendes Wesen und seine diskrete Neugierde verschafften ihm Zugang auch zu ansonsten geschlossenen Gesellschaften. Noch am Beginn seiner Karriere erwarb er sich das Vertrauen der Black Panthers, im für die meisten Fotoreporter abgeschotteten Nordkorea konnte er zwischen politischen Propagandaveranstaltungen nicht nur die Diktatoren Kim Il Sung und Kim Yong Il fotografieren, sondern auch vereinzelte Blicke auf den kommunistischen Alltag erhaschen.

Kubotas humanistischer Blick, der Respekt vor seinen Motiven, ist tief geprägt von seinen  Kindheitserfahrungen im von Zerstörung und Mangel gezeichneten Japan der Kriegsjahre. Nie, schwor er sich, würde er zum Kriegsfotografen auf der Jagd nach dem spektakulären Bild werden. 1975 fand er sich freilich trotzdem am Brennpunkt des Weltgeschehens wieder und war einer der letzten ausländischen Fotografen, die vor der Eroberung Saigons durch die Nordvietnamesische Armee aus der Stadt ausgeflogen wurde.

Von Magnum wurde Kubota gleichsam adoptiert. Auf Empfehlung eines Freundes begleitete er die Agentur-Fotografen Elliott Erwitt, Burt Glinn und René Burri bei einem Japan-Besuch 1961 als Fahrer und Übersetzer durch die Straßen von Tokyo. Als die drei ihn bezahlen wollten, lehnte er ab. Stattdessen bekam er Geschenke: von Burri eine Leica M3, von Erwitt die englische Ausgabe der damaligen Fotografenbibel von Magnum Gründer Henri Cartier-Bresson – Images à la sauvette / The Desicive Moment. Für Kubota auch persönlich ein einschneidender Augenblick, seine Karriere jedenfalls war von nun an vorgezeichnet. 1962, nach dem Abschluss seines Studiums zog es ihn in die USA, Erwitt holte ihn vom Flughafen ab und gemeinsam mit seinen Agenturkollegen unterstützte er den Neuankömmling in den ersten Jahren. 1965 wurde Kubota freier Fotograf, sechs Jahre später war er selbst Mitglied von Magnum.

Für die Ausstellung und die begleitende Publikation hat Kubota sein Archiv gesichtet und aus den vier Millionen Aufnahmen seiner bisherigen Karriere eine Auswahl getroffen. Schwarz-Weiß-Negative wurden als hochwertige Platinumprints neu abgezogen, für seine Farbfotografien arbeitete Kubota mit dem New Yorker Meisterprinter Nino Mondhe, zu dessen Referenzen Namen wie Irving Penn und Harry Callahan gehören, und der im aufwendigen Dye-Transfer-Verfahren brillante Abzüge von faszinierender Farbtiefe herstellte.

Zur Ausstellung ist bei Aperture ein umfassender Band über das mehr als fünfzig Jahre umspannende Gesamtwerk Kubotas erschienen
. In 400 Abbildungen vereint das Buch alle wichtigen Serien des Fotografen, das Vorwort verfasste sein Freund Elliott Erwitt.

Das Buch ist auch hier erhältlich.