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Alfons Schilling, mit Sehmaschine Kleines Rad, New York 1978 Silbergelatineabzug, Foto von Janice Everett © Nachlass Alfons Schilling
Alfons Schilling, 1986 Hologramm, holografiert von Ana Maria Nicholson © Nachlass Alfons Schilling
Alfons Schilling, The Falling Man, 1969 Linsenrasterfotografie, 4 Ansichten © Nachlass Alfons Schilling
Alfons Schilling, Kader aus dem Film Jackie Curtis, 1970 16mm, sw, ohne Ton, 1:10 Min. © Nachlass Alfons Schilling
Alfons Schilling, Standfoto aus dem Film 9XL – Es war einmal, 1965 35mm, sw, Ton, 13 Min. © Nachlass Alfons Schilling

ALFONS SCHILLING

BEYOND PHOTOGRAPHY

14.02. – 14.05.2017


Das Fotomuseum WestLicht zeigt erstmals in einer Überblicksausstellung die fotografischen Arbeiten des Schweizer Künstlers und Wahlwieners Alfons Schilling (1934–2013), eine der faszinierendsten Positionen der jüngeren österreichischen Kunstgeschichte. Sein Werk verweigert sich beharrlich allen einfachen Kategorisierungen, seine rebellische Neugier sprengte die Grenzen einzelner Gattungen und Strömungen. Als Student an der Akademie für angewandte Kunst gehörte er Ende der Fünfzigerjahre mit Günter Brus zu den Wegbereitern des Wiener Aktionismus, ging aber bald ästhetisch wie geografisch eigene Wege.

Mit seinen Rotationsbildern führte er 1962 bei einem Aufenthalt in Paris die Malerei für sich zu einem Endpunkt. Der rastlose Forschergeist, der ihn noch im selben Jahr weiter nach New York zog, wo er für die folgenden zweieinhalb Jahrzehnte seine Basis hatte, prägt auch seine fotografischen Arbeiten. Sie treiben das Medium weit über die Grenzen der klassischen Fotografie hinaus und erscheinen als missing link zwischen den Bewegungsstudien eines Eadweard Muybridge aus dem 19. Jahrhundert und gegenwärtigen Formen des Cyberspace.

Die Kippbilder seiner Linsenrasterfotografien, die erst durch die BetrachterInnen aktiviert werden, dynamisieren den Blick und verschmelzen mehrere Aufnahmen in einem Bild. Hologramme und Stereofotografien, in der Ausstellung durch entsprechende Sichtgeräte erfahrbar, öffnen die Bildoberfläche zu einem virtuellen Raum. Wer heute mit head-mounted Displays 3-D-Welten bereist, wandelt auf Pfaden, die Schilling schon in den Siebzigerjahren beschritten hat. Die Ausstellung legt den Fokus erstmals auf die erweiterte Fotografie des Visionärs und zeigt sie im Kontext ausgewählter Sehmaschinen, Malerei und filmischer Experimente. Thema seines bahnbrechenden Schaffens ist eine Kritik der Wahrnehmung, die Entfesselung des Sehens selbst: „It’s not what‘s on the picture – it’s what is behind it.“

Eine Ausstellung des Fotomuseum WestLicht in Kooperation mit dem Nachlass Alfons Schilling, kuratiert von Rebekka Reuter und Fabian Knierim. Begleitend erscheint eine Publikation im Verlag für moderne Kunst mit einem Vorwort von Peter Weibel, Texten von Roland Fischer-Briand, Erkki Huhtamo, Romana Karla Schuler, Andreas Spiegl, Felicitas Thun-Hohenstein und den KuratorInnen, sowie einem beigelegten Stereobetrachter.

Biografie
1934 in Basel geboren, absolviert ebenda eine Banklehre. Ab 1956 Studium an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, Meisterklasse Eduard Bäumer. Verlässt 1959 die Angewandte, reist 1960 mit Günter Brus nach Mallorca, Abkehr von der akademischen, Hinwendung zur Aktionsmalerei. Zusammen mit Brus 1961 erste Ausstellungen in der Galerie Junge Generation, Wien. 1962 fünfmonatiger Paris-Aufenthalt, Intensivierung der Beschäftigung mit seinen Rotationsbildern, Malereien auf motorbetriebenen, rotierenden, kreisförmigen Bildflächen.
Im Herbst 1962 Umzug nach New York. Lernt Kiki Kogelnik und Sam Francis kennen. Übernimmt handwerkliche Arbeiten in Studios verschiedener Künstler, darunter Sam Francis, Al Held und Alex Katz, außerdem Billy Klüver, über ihn Kontakt zu den Bell Laboratories. 1965 Reisen nach Uxmal, Mykene, Lascaux, Pamplona und Timbuktu, in Zürich entsteht der Film 9XL – Es war einmal. 1966 Dreharbeiten zu 9 Evenings: Theatre and Engineering. Ab 1966 Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Synthese von Raum, Blick und Bewegung. Intensive Auseinandersetzung mit Holografie und Stereoskopie, Erarbeitung von Linsenrasterfotografien. 1967 Beginn der Freundschaft und der Kooperationen mit Steina und Woody Vasulka. 1968 Linsenrasterfotografien von Demonstrationen in Chicago, noch im selben Jahr erste Gruppenausstellung in den USA in der Richard Feigen Gallery, Chicago. 1970 erste Einzelschau bei Feigen in New York. Reist mit Woody Vasulka nach Island, wo ein Großteil der Aufnahmen für die Brainscapes entsteht. Erste Lochkamerafotografien. In den 1970er- und 1980er- Jahren Entwicklung autobinärer Raumbilder und tragbarer Sehmaschinen; Lehrtätigkeit an unterschiedlichen Kunstinstitutionen, Aufführungen und Ausstellungen in den USA und Europa. 1977 mehrmonatige Afrikareise. 1981/82 Beyond the Human Eye, Arbeiten mit geformten Kamerablenden. 1985 John Simon Guggenheim-Fellowship. 1986 Rückkehr nach Wien, bis 1990 Gastprofessur an der Universität für angewandte Kunst. 1987 Einzelausstellung Sehmaschinen im Museum für angewandte Kunst, Wien. 1997 Retrospektive Ich/Auge/Welt – The Art of Vision in der Kunsthalle Krems. In der Werkserie Götterbilder, 1999, Verbindung von Linsenrasterfotografie und Malerei. Erneute Einzelausstellung im MAK 2007 in der Reihe Künstler im Fokus. 2009 große Werkschau im Essl Museum, Klosterneuburg. Nach Parkinsonleiden 2013 in Wien verstorben.

PUBLIKATION ZUR AUSSTELLUNG
Alfons Schilling. Beyond Photography
Verlag für Moderne Kunst, 2017
Herausgeber: Inés Ratz, Rebekka Reuter, Peter Coeln, Fabian Knierim
Deutsch/Englisch
280 Seiten
Abbildungen in Farbe und SW
Hardcover mit Stereobrille
ISBN 978-3-903153-01-1