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TAREK LEITNER UND THOMAS BERNHARD
DIE TOTALE ORDNUNG
21.03.2019, 19:30 UHR

WESTLICHT STARTET NEUE VERANSTALTUNGSREIHE

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WestLicht ist seit 2001 Schauplatz herausragender Leistungen auf dem Gebiet der Fotografie und für viele Menschen ein Ort prägender Bilderfahrungen. Ein Bild, so heißt es, sagt mehr als tausend Worte. Mitunter bedürfen aber auch die besten Bilder der Unterstützung des Wortes.

Unter dem Serientitel Außer der Reihe startet WestLicht am kommenden Donnerstagabend ein neues Veranstaltungsformat. Jenseits des Begleitprogramms zu aktuellen Ausstellungen wird WestLicht in der Sonderreihe zu regelmäßigen Veranstaltungen mit prominenten Künstler_innen und Freund_innen des Hauses bitten, die mit ihrer Stimme die Arbeit von WestLicht unterstützen und zugunsten des Schauplatzes für Fotografie auf ihr Honorar verzichten – darunter Vorträge von Klassikern der österreichischen Literatur, Kabarett, Liederabende und Autor_innenlesungen aktueller Texte.

Den Anfang macht am Donnerstag ORF-Anchor Tarek Leitner mit DIE TOTALE ORDNUNG, einem Programm zu Thomas Bernhard. Je weiter wir uns einem Dichter nähern, desto weiter entfernen wir uns von ihm, zitiert Leitner den Schriftsteller und umreißt das Thema des Abends: „Wenn wir trotzdem ergründen, wie Bernhards Figuren an ihrem Absolutheitsanspruch scheitern, befassen wir uns in gleicher Weise auch mit dem Autor selbst. Aus Anlass seines 30. Todestags und inspiriert vom gemeinsamen Buch mit Peter Coeln, Hilde & Gretl, geht es an diesem Abend darum, wie sich DIE TOTALE ORDNUNG herstellen lässt und wie wir – genauso wie Bernhards Protagonisten – daran scheitern. Das absolute Theaterstück, das absolute Gebäude, die absolute Ordnung – immer wieder Motiv vieler seiner Figuren, immer wieder der sichere Weg in die Katastrophe.“ Passend zur Veranstaltung wird eine Auswahl von Thomas Bernhard Porträts angeboten, deren Erlös ebenfalls WestLicht zugutekommt.

Für weitere Abende haben unter anderem Erika Pluhar, Karl Merkatz und Angelika Niedetzky zugesagt. Der Eintrittspreis von 18 Euro (15 Euro für WestLicht Mitglieder) ist auch ein Beitrag zur Förderung von WestLicht. Um Anmeldung wird gebeten unter baumann(at)westlicht.com

PRESS CONTACT
Stefan Musil
T +43 (0)676 9316665

musil(at)westlicht.com




ÉDOUARD BALDUS
TRANSIT UND MONUMENT
05.04.–21.07.2019

PRESSE-PREVIEW 04.04.2019, 10 UHR
ERÖFFNUNG 04.04.2019, 19 UHR


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Anlässlich des 180. Geburtstags der Fotografie unternimmt WestLicht eine Reise in die Frühzeit des Mediums: Mit dem deutsch-französischen Pionier Édouard Baldus (1813–1889), der als einer der ersten professionellen Architekturfotografen gilt, wird eine Schlüsselfigur der Fotografie im 19. Jahrhundert gewürdigt. Die Ausstellung eröffnet den Blick in sein fulminantes Werk Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée aus dem Jahr 1863, das zu den bedeutendsten Fotobüchern der Geschichte zählt. Weltweit existieren lediglich acht Exemplare des Albums. Die knapp 70 großformatigen Albuminabzüge folgen der Bahnstrecke von Paris über Lyon bis ans Mittelmeer und stellen die moderne Verkehrsarchitektur aus Trassen, Brücken und Bahnhöfen den antiken Monumenten des römischen Imperiums gegenüber – eine politisch motivierte Analogie, die das Empire Napoléons III. in die Tradition des römischen Weltreichs setzt. Ohne die Eisenbahn als Transportmittel oder das Reisen direkt zu thematisieren, repräsentiert das Projekt ein Leitmotiv im Schaffen des Fotografen: das Spannungsfeld von Landschaft und Konstruktion. Baldus‘ klarer Stil wurde mitunter als Geburt der modernen Wahrnehmung bezeichnet und in der Struktur seiner Alben eine künstlerische Position erkannt, die Serienkonzepte eines August Sander oder von Bernd und Hilla Becher um ein halbes beziehungsweise ganzes Jahrhundert vorwegnahm.

Kuratiert von Anna Auer


ÉDOUARD BALDUS. VOM GELDFÄLSCHER ZUM CHEVALIER D‘HONNEUR

Édouard Baldus als Fotografen zu bezeichnen, greift im Grunde zu kurz. Er ist Maler, Geschäftsmann, Erfinder und Verleger, mitunter alles zugleich. In dieser Überlagerung ist er eine durchaus typische Figur für ein noch junges fotografisches Zeitalter, in dem Rollen, Techniken und Verfahren noch zu definieren sind und das Feld den Pionieren gehört. Gleichzeitig ist seine Biografie das besonders schillernde Beispiel einer fotografischen Aufsteigerstory, in der es der Protagonist vom polizeilich gesuchten Geldfälscher zum erfolgreichen Unternehmer und Ritter der französischen Ehrenlegion bringt.

Édouard Baldus wird 1813 als Eduard Baldus im preußischen Grünebach, heute Rheinland-Pfalz, geboren. In den 1830er-Jahren wird er der Geldfälscherei beschuldigt, ein Delikt, auf das in der Rheinprovinz die Todesstrafe steht. Da er sich der Untersuchung durch Flucht entzieht, wird er ab 1835 steckbrieflich gesucht. Baldus setzt sich nach Frankreich ab. Um 1838 findet man ihn erstmals in Paris, sein Name bereits in französischer Schreibweise, wo er Malerei studiert. 1840 stellt er drei seiner Bilder im Pariser Salon aus, jedoch ohne erwähnenswerte Resonanz, und wird in den Folgejahren abgelehnt.

Im Revolutionsjahr 1848 eignet sich Baldus die neue Technik der Fotografie an und unternimmt ausgestattet mit einer schweren Plattenkamera seine erste Reise nach Südfrankreich. Die Bilder, die er von dort zurückbringt, machen ihn rasch als Fotografen bekannt und sind der Grundstein für seine anschließende Karriere. Noch in ihrem Gründungsjahr 1851 wird Baldus Mitglied der Société Héliographique, der weltweit ersten fotografischen Gesellschaft. Neben Hippolyte Bayard, Gustave Le Gray, Henri Le Secq und Auguste Mestral wird er im selben Jahr zu einem der fünf staatlich beauftragten Fotografen der prestigeträchtigen Mission Héliographique ernannt, die das architektonische französische Kulturerbe fotografisch bewahren soll.

Hochkarätige Aufträge folgen: 1856 fotografiert Baldus in staatlicher Mission die Auswirkungen der verheerenden Überschwemmungen entlang der Rhône. Der Bankier Baron James de Rothschild betraut ihn schon 1855 mit der fotografischen Dokumentation seiner Eisenbahnlinie von Paris nach Boulogne, Anlass ist der Staatsbesuch der britischen Königin. Das daraus entstehende Album Chemins de fer du Nord wird Queen Victoria als Geschenk überreicht. Sechs Jahre später gibt die kurz zuvor fusionierte Eisenbahngesellschaft Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée, kurz PLM, das gleichnamige, jetzt im WestLicht ausgestellte Album in Auftrag, in dem Baldus‘ charakteristische Bildsprache ihren Höhepunkt erreicht. Neben neu angefertigten Aufnahmen finden sich darin auch Motive aus seinem mittlerweile umfangreichen Archiv.

Mit der drucktechnische Experimentierfreude, die er schon bei der Herstellung seiner Blüten bewiesen hat, entwickelt Baldus 1855 ein eigenes Verfahren der Fotogravur, das er Héliogravure nennt, und auf das er seine spätere, erfolgreiche Publikations- und Verlegertätigkeit aufbaut. Bald beschäftigt er über ein Dutzend Mitarbeiter, die seine Arbeiten in halb Europa vertreiben. 1860 ernennt man ihn ob seiner Verdienste um die Fotografie zum Chevalier d’Honneur, zum Ritter der Ehrenlegion. Baldus stirbt 1889 im Alter von 76 Jahren in Arcueil-Cachan südlich von Paris.


Press contact
Stefan Musil
T +43 (0)676 9316665
musil@westlicht.com

KATHARINA GAENSSLER
ATLAS UND SEQUENZ
05.04.–21.07.2019

PRESSE-PREVIEW 04.04.2019, 10 UHR
ERÖFFNUNG 04.04.2019, 19 UHR


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Katharina Gaenssler (*1974) hat sich auf die fotografische Komprimierung und Transposition von Räumen spezialisiert. In tausenden Aufnahmen scannt sie mit ihrer Kamera Orte und durchfahrene Distanzen akribisch ab und errichtet sie an anderer Stelle als wandfüllende Kollagen neu oder bindet sie zu voluminösen, mitunter mehrbändigen Atlanten. Parallel zu den historischen Reise- und Architekturaufnahmen der Alben von Édouard Baldus eröffnet WestLicht erstmals in Österreich einen Einblick in das umfassende Buchwerk der international präsentierten und vielfach ausgezeichneten Künstlerin. Im Erblättern der einzelnen Seiten werden Gaensslers Reisen – etwa die Sechstagetour mit der Transsibirischen Eisenbahn – und die von ihr durchmessenen, für die Öffentlichkeit oft unzugänglichen Räume neu erfahrbar. Griffig und widerständig zugleich, können ihre Bücher als Archive gelesen werden, in denen sich aktuelle bildtheoretische Perspektiven ebenso entfalten wie ein betörender Eigensinn der Objekte.

Kuratiert von Rebekka Reuter


KATHARINA GAENSSLER

Katharina Gaenssler wird 1974 in München geboren. Nach einer Ausbildung zur Silberschmiedin nimmt sie 1999 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste München auf. Noch während ihres Studiums erhält sie 2003 den Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie. 2012 wird sie aus Anlass des 500 Geburtstags von Raffaels Sixtinischer Madonna für eine Intervention von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eingeladen. Die begleitende Publikation gewinnt den Preis der Stiftung Buchkunst für das schönste Buch 2013. Von 2013 bis 2014 hat sie eine Gastprofessur an der HFBK Hamburg inne. Das Museum of Modern Art New York gibt 2015 eine Arbeit für die Ausstellung Ocean of Images: New Photography 2015 in Auftrag.

Gaensslers Werke wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen international präsentiert, so auf der Chicago Architecture Biennial (2017), im Museo de Arquitectura y Diseño, Buenos Aires (2016), in der Pinakothek der Monderne, München (2016), im Museum of Modern Art, New York (2015), auf den Rencontres de la photographie d’Arles (2014), im Museum Folkwang, Essen (2014), in der Gemäldegalerie der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (2012), im Sprengel Museum, Hannover (2010), im Kunstraum Niederösterreich (2008) und im Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum (2007). Seit 2017 ist Katharina Gaenssler Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Sie lebt München.