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Rudolf Schwarzkogler (1940–1969) / Walter Kindler (* 1940)
1. Aktion, Hochzeit
Aus einer Mappe mit Textblättern, 10 Foto- und 6 Seriegrafien, hrsgg. v. Pari & Dispari, Guiseppe Morra und F. Conz
Österreich, Wien, 6.2.1965
C-Print, 62 x 51 cm
Rücks. Mitte Stempel „pari editori & dispari”; links u. mit Tinte signiert „Edith Adam”, rechts u. nummeriert „69/75”

Rudolf Schwarzkogler war der jüngste der vier Protagonisten des Wiener Aktionismus. Seine erste Aktion führte er erst 1965, ein Jahr nach den Anfängen durch seine Kollegen Hermann Nitsch und Otto Mühl und drei Jahre nach Günter Brus durch. Bedingt durch seinen frühen Suizid blieb Schwarzkoglers aktionistisches Œuvre verhältnismäßig klein. Zwischen 1965 und 1966 führte er sechs Aktionen durch, die fotografisch dokumentiert wurden.

Schwarzkoglers 1. Aktion „Hochzeit” war darunter die einzige, die vor einem ausgewählten Publikum stattfand. Schauplatz war die Wohnung seines Freundes Heinz Cibulka, der auch als Akteur mitwirkte, Günter Brus’ Frau Anni agierte als Braut, Schwarzkogler selbst war Hauptakteur. Außer Schwarzkoglers engstem Freundeskreis, darunter Mühl, Nitsch und Brus, waren drei Fotografen – Ludwig Hoffenreich, Walter Kindler und Siegfried Klein (Kasaq) – anwesend, welche den Aktionsablauf dokumentierten.

Auch wenn einige Elemente in Schwarzkoglers Aktionen mit den Konzepten von Nitsch, Mühl und Brus vergleichbar sind, wurde bereits in seiner ersten Aktion seine spezielle Ästhetik deutlich. Anders als seine Kollegen, bezog er den Raum in sein Konzept mit ein. Für die 1. Aktion schuf er ein Environment, in dem er den Raum blau und weiß tünchte und blaue Objekte – einen Zylinder, eine Kugel und zwei Bretter – im Raum platzierte. Auf einem weiß gedeckten Tisch arrangierte er Utensilien wie in einem Labor, darunter Fische, ein in Papier eingewickeltes Huhn, feine Kristalle in verschiedenen Farben, Gläser mit blauer Farbe, sowie Mullbinden und chirurgisches Werkzeug. Für Schwarzkogler typische Motive sind der schwarze Spiegel und die Kugel, die wie Leitthemen auch in den folgenden Aktionen wiederkehrten; eine ähnlich wichtige Rolle spielte, wie auf der vorliegenden Fotografie zu sehen, das Sezieren eines Fisches, der Erotik, Kälte, Krankheit, Gefahr und Tod symbolisiert.

Schwarzkogler war mit der Durchführung der Aktion aus verschiedenen Gründen nicht zufrieden, er war ein Perfektionist und fühlte er sich durch die drei Fotografen und das Publikum irritiert und gestört. Aus diesem Grund änderte er sein Konzept und begann damit, seine Aktionen nur noch allein bzw. mit einem Fotografen und für die Kamera zu inszenieren, was seine Arbeit wesentlich von der seiner Kollegen unterscheidet.

Michaela Seiser, © WestLicht



Lit.: Eva Badura-Triska, Hubert Klocker, Rudolf Schwarzkogler - Leben und Werk, hrsgg. vom Museum Moderner Kunst Wien, Klagenfurt 1992.

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