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Rudolf Schwarzkogler (1940–1969) / Michael Epp (* 1939)
6. Aktion
Österreich, Wien, Anfang 1966
Silbergelatineabzug, 29,8 x 24,3 cm
Rücks. signiert von Günter Brus, Hermann Nitsch und Edith Adam, Nachlassstempel „rudolf schwarzkogler / nachlaß”

Rudolf Schwarzkoglers 6. Aktion war die letzte fotografisch dokumentierte vor seinem Tod. Danach beteiligte er sich noch an Projekten von Otto Mühl und Günter Brus; seine eigenen Aktionen, vermutlich weitere drei, dokumentierte er nicht mehr, andere konzipierte er nur noch schriftlich.

Schwarzkogler reduzierte die Farbpalette ab der 2. Aktion und entsprach damit den Fotografien, die nur noch mit Schwarzweißfilmen aufgenommen werden. Die vorliegende Aufnahme zeigt ihn in weiß einbandagiertem Körper in einem hellen weiß getünchten Raum, an der Wand lehnt ein schwarzer, quadratischer Spiegel und eine große und eine kleine weiße Kugel. Während dem Aktionsablauf kommen noch ein totes weißes Huhn sowie eine Glühbirne und schwarze Elektrokabel dazu.

Er inszenierte seine Aktionen für die Kamera, es gab keinen eigentlichen dramaturgisch aufgebauten Aktionsablauf wie bei Mühl, Brus oder Nitsch, die vor Publikum agierten oder dieses sogar mit einbezogen. Seine Fotografien sind perfekt komponierte Arrangements im Raum. In Skizzen legte er die einzelnen Motive im Voraus fest. Die Aktionen konnten, da sie ohne Publikum stattfanden, beliebig oft angehalten werden um Kameraeinstellung oder Komposition zu korrigieren und die Aufnahmen zu perfektionieren.

Trotz der Wichtigkeit, die die Fotografie für Schwarzkoglers Arbeit hatte, gibt es – vermutlich bedingt durch die prekäre finanzielle Situation des Künstlers – nur sehr wenige Abzüge, die zu seinen Lebzeiten ausgearbeitet wurden. Der überwiegende Teil der heute existierenden Fotografien wurde erst nach seinem Tod im Auftrag seiner Lebensgefährtin und Nachlassverwalterin Edith Adam von Ludwig Hoffenreich oder im Auftrag des italienischen Sammlers Francesco Conz abgezogen. Hermann Nitsch, Ludwig Hoffenreich oder Edith Adam legten dabei oft die Ausschnitte der Vergrößerungen fest.

Die Aktionsfotografien Schwarzkoglers wurden zu seinen Lebzeiten nie ausgestellt. 1970 wurde erstmals eine Auswahl in Günter Brus’ Zeitschrift Die Schastrommel veröffentlicht. Bekanntheit erlangten sie 1972, als sie bei der von Harald Szeemann kuratierten Documenta 5 in Kassel zu sehen waren.

Michaela Seiser, © WestLicht



Lit.: Eva Badura-Triska, Hubert Klocker, Rudolf Schwarzkogler - Leben und Werk, hrsgg. v. Museum Moderner Kunst Wien, Klagenfurt 1992, S. 230 (Abb. 19).

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