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James Robertson (1813–1888)
Bombensicheres Lager
Nr 46 eines Albums zum Krimkrieg
Russland, Krimküste, 1855
Salzpapierprint, montiert auf Karton, 22,3 x 29,2 cm
Im Bild re unten in Tinte signiert „Robertson”, am Karton mit Bleistift betitelt und nummeriert

Der russisch-türkische Krimkrieg (1853–1856) begann anlässlich religiöser Streitigkeiten um den Schutz orthodoxer Christen in Jerusalem bzw. im osmanischen Reich. Die katholischen Franzosen und die protestantischen Briten kämpften aufseiten der Türken, um eine russische Machtausweitung in Europa zu verhindern. Die entscheidenden Kampfhandlungen fanden 1854/55 auf der Krimhalbinsel am Schwarzen Meer statt, wo die Alliierten ein Jahr lang die Festung Sewastopol belagerten und schließlich im September 1855 einnahmen.

Traurige Berühmtheit erlangte dieser erste Stellungskrieg durch die schlechte Logistik sowie katastrophale medizinische Versorgung der Truppen, die vor allem in britischen Zeitungen angeprangert wurde. In diesem Zusammenhang sind auch die Krimkriegsaufnahmen von Roger Fenton (Februar–Juni 1855) zu sehen, die diese Vorwürfe implizit entkräften und viele Porträts der Militärs und Genreszenen zeigen („picknick-war”). Seine schriftlichen Aufzeichnungen zeugen von den widrigen Umständen, mit denen Kriegsfotografen der Kollodium-Epoche zu kämpfen hatten.

Die militärisch entscheidende Phase des Krimkrieges, der Fall Sevastopols, wurde allerdings durch James Robertson und Felice Beato fotografisch dokumentiert. Robertson war ein britischer Graveur, der seit 1841 für die osmanische Münze in Konstantinopel arbeitete. Dort eröffnete er in den frühen 1850ern auch ein Fotostudio. Seine Aufnahmen von Denkmälern in Griechenland, Ägypten und Palästina wurden international ausgestellt und publiziert, am bekanntesten blieben jedoch seine Krimkriegsbilder.

Die vorliegende Aufnahme zeigt laut Beschriftung ein „bombproof magazine”. Auszumachen ist ein von labyrinthischen Gräben durchfurchtes Terrain mit jenen geflochtenen Korbzylindern, die man zur Befestigung der Erdwälle verwendete, am Horizont ein Armeezelt. Es ist bekannt, dass Robertson die eingenommenen russischen Stellungen um Sewastopol aufnahm. Es könnte sich hier also um einen Teil jenes Systems aus Feldschanzen, Batteriestellungen und Schützengräben handeln, das der russische Ingenieuroffizier und spätere General Eduard I. Totleben zur Sicherung Sewastopols anlegen ließ. Bombenfestigkeit war jedenfalls im Krimkrieg wichtig, wurden doch in diesem Krieg vielfach große Geschütze eingesetzt, wie erstmals auch Bombenkanonen zur Abwehr von Schiffen.

Marie Röbl, © WestLicht

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