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Luis Korda (Luis Antonio Peirce Byers, 1912–1985)
Camilo Cienfuegos and Fidel Castro entering Havana
Cuba, Havana, 8.1.1959
Gelatin silver print, mounted on cardboard, 59,7 x 49,7 cm

Am 8.1.1959 wird mit dem Eintreffen von Fidel Castro und seinen Truppen in Havanna der Sieg der kubanischen Revolution besiegelt. Praktisch alle Einwohner der Hauptstadt waren auf den Beinen und füllten feiernd die Straßen. Alberto Korda, der mit seinem Studio in Folge zu einem der bedeutendsten Fotografen der Revolution werden sollte (von ihm stammt jene Aufnahme von Che Guevara, die als die weltweit meist-reproduzierte Fotografie gilt), machte an diesem Tag keine Aufnahmen, sondern verfolgte die Ereignisse von einem Balkon aus.

Sein Studiopartner Luis Antonio Peirce Byers, bekannter als Luis Korda oder „Korda, der Ältere” mischte sich dagegen unter die Menge – und kam tatsächlich in die unmittelbare Nähe jenes offenen Jeeps, auf dem Fidel Castro und Camilo Cienfuegos in die Stadt einfuhren. Er schoss eine Aufnahme im quadratischen Mittelformat, die Alberto Korda auf ein Hochformat beschnitt (es existiert ein Kontaktabzug mit den eingezeichneten Ausschnittmarken).

Die Aufnahme gilt als eine Ikone der Revolutionsgeschichte und wurde vielfach publiziert. Besonders in Alberto Kordas Beschnitt verbindet sie die zwei wichtigsten Funktionen der Fotografie in der kubanischen Revolution: die Reportage der – sich gerade in diesen Tagen zuspitzenden – Ereignisse sowie die Verbreitung von wirkungsvollen Porträts ihrer Protagonisten. Eine frühe Generation fotohistorischer Auseinandersetzung mit dieser Phase prägte dafür den Begriff des Epischen: die Fotografie liefert die Bilder einer Heldengeschichte.

Fidel Castro, der jahrzehntelang an der Macht blieb und das Schicksal des Landes nachhaltig prägte, sollte noch lange Zeit haben, die Propaganda um seine Person weiterzuentwickeln (das Fotomuseum WestLicht beheimatet hunderte Aufnahmen, die diesen Prozess eindrucksvoll belegen).

Camilo Cienfuegos, der als junger Schneider um 1958 zu den Rebellen gestoßen war und sich maßgeblich am Guerrillakrieg beteiligte, kam dagegen bereits 9 Monate nach dem Zeitpunkt dieser Aufnahme bei einem bis heute nicht lückenlos aufgeklärten Flugzeugabsturz ums Leben. Gleichwohl erfuhr der charismatische Mann mit dem Cowboyhut eine ungebrochene Verehrung in Kuba, etwa an einem Feiertag mit spezifischen Riten. Seine Fotoporträts fanden eine enorme Verbreitung und wurden vielfach, meist als kleinformatige Fotokarten, (re)produziert.

Marie Röbl, © WestLicht


Lit.: Cristina Vives, Mark Sanders (Hg.), Korda. A revolutionary lens, Göttingen 2008, S. 28 u. 40f. (Abb.).

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