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Giorgio Sommer (1832–1914)
Der Dom von Pisa
Italien, Pisa, ca. 1865
Albuminpapierabzug, montiert auf Karton, 18,4 x 24,4 cm
Im Neg. li unten bezeichnet „Nr. 3875. Il Duomo.Pisa.”, am Karton 2 Blindstempel „Giorgio Sommer, Studio Monte di Dio 4, Magazzino S. Caterina 5, Napoli”; „Depot a Florence Via Maggio 15, J. Brecker”, am Karton handschr. in Bleistift betitelt „Der Dom von Pisa”

Georg Sommer wurde in Frankfurt am Main geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre begann er als Berufsfotograf zu arbeiten, zog um 1855 nach Italien und reüssierte zu einem der bekanntesten Fotografen italienischer Landschaften, Baudenkmäler und Kunstwerke. Er verkaufte seine Aufnahmen in sämtlichen Formaten bis zur Visit- und Stereokarte, darüber hinaus handelte er auch mit Repliken antiker Skulpturen und anderen Reisesouvenirs. Nach Anfängen in Rom eröffnete er in den späten 1850ern ein Atelier in Neapel, wo viele Genreszenen entstanden, ab 1880 als Freilichtaufnahmen in den Straßen. Bekannt sind auch seine Fotografien von den Ausgrabungen in Pompei und vom Vesuvausbruch 1872.

Die Aufnahme zeigt den Dom von Pisa mit dem schiefen Turm, eine klassische Sehenswürdigkeit, die häufig fotografiert wurde – wobei die unbebaute Fläche um den Dom viele Blickwinkel auf das Motiv zulässt, was zu signifikanten Variationen in der jeweiligen Bildauffassung führt. Sommers Komposition zeichnet sich durch die Verbindung der beiden Baukörper Dom und Turm zu einer kompakten Form aus, in der orthogonale Linien betont werden. Die Oberfläche der Architektur wird spannungsreich akzentuiert durch ein starkes Hell-Dunkel, das Sommer mithilfe dunkelvioletter Tönung des Prints erreichte.

Die verschiedenen Beschriftungen geben Hinweise auf Sommers professionelle Vertriebsstrukturen: Zunächst zeugt die ins Glasnegativ einmontierte Archivetikette, die links unten im Bild zu sehen ist, von einem gewerbsmäßigen Negativarchiv. Dieses führte ein Mitarbeiter in der „ewigen Stadt” Rom, mit ihrem großen Absatzmarkt nicht nur unter den Touristen, sondern auch in den hier tätigen internationalen Künstlerkreisen. Der Blindstempel am Karton gibt Aufschluss über Sommers Standorte in Neapel: An der angeführten Adresse Monte di Dio 4 betrieb er zwischen 1860 und 86 sein Studio und im Magazzino S. Caterina 5 ein Lager. Ein weiterer Stempel am Karton verweist auf den deutschen Händler J. Brecker in Florenz, bei dem Sommer ein ständiges Depot unterhielt.

Eine handschriftliche Betitelung in Bleistift legt schließlich nahe, dass der Abzug von einem Kunden aus dem deutschsprachigen Raum erworben wurde. Unter diesen war Italien als Reiseziel besonders beliebt: In der Verbindung von kultureller Bildung, Erholung in südlichem Klima sowie persönlicher Selbstfindung konnten Erfahrungen gemacht werden, wie sie in Goethes Schriften paradigmatisch beschrieben sind.

Marie Röbl, © WestLicht


Lit.: Giorgio Sommer in Italien. Fotografien 1857–1888, hrsg. v. M. Miraglia, Pino Piantanida, Ulrich Pohlmann, D. Siegert, München 1992; Giorgio Sommer (1834–1914). Photographien aus Italien, Neue Galerie der Stadt Linz 1985, S. 40 (Abb.).

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