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Unbekannter Fotograf
Die Belastungsprobe der neuen Stadion(Schlachthaus)brücke über den Donaukanal
Österreich, Wien, 24.9.1937
Silbergelatineabzug, 15,9 x 20,9 cm
Rücks. Zeitungsclip mit Bildtitel, handschr. nummeriert „1158” und datiert

Der Fotograf dieser Aufnahme befand sich auf einem Gerüst am Gebäude Schlachthausgasse 2, Ecke Ludwig-Kösslerplatz. Andere Fotografen brachten sich nicht nur seitlich an der Brücke in Stellung: Der im linken Vordergrund sichtbare Bildreporter Fritz Zvacek wagte sich sogar auf die Spitze einer fahrbaren Leiter, um von dort aus Bilder von einem Ereignis aufzunehmen, das nicht wirklich spektakulär war, aber vielleicht doch noch hätte werden können ...

Die 1873 für die Wiener Weltausstellung errichtete Kaiser-Josefs-Brücke, 1919 in Schlachthausbrücke umbenannt, stellte die erste Verbindung zwischen dem 3. Bezirk und dem Prater her. Diese Bogenbrücke mit einer Stützweite von 60 m und einer Fahrbahnbreite von 9,90 m konnte der Verkehrsentwicklung in der Ersten Republik, die auf das Ansteigen des Sportbetriebes im Prater und die Errichtung des Stadions zurückzuführen war, nicht mehr gerecht werden.

Der Neubau erfolgte ohne Ausschreibung, da auf Entwürfe für die zuvor errichtete Rotundenbrücke zurückgegriffen wurde. Auch die neue Brücke war wieder eine Bogenbrücke. Mit der Planung und Ausführung wurde die Wiener Brücken- und Eisenkonstruktions AG, für den Unterbau die Firma Ing. Mayreder, Kraus & Co. beauftragt; der Architekt H. Kutschera wurde mit der baukünstlerischen Ausgestaltung betraut. Bei einer Stützweite von 55,2 m erhielt die Fahrbahn eine Breite von 12 m – Platz für zwei Fahrbahnen und zwei Straßenbahngleise. Diese wurden jedoch nur für die Einführungs- und Schlussfahrten verwendet.

Die Fahrtrichtung der Fahrzeuge auf der Brücke zeigt die schon seit der Monarchie bestehende Linksverkehrsordnung. In der Ersten Republik kam es zu verwirrenden Situationen, da in mehreren Bundesländern sowohl Links-, als auch Rechtsfahrordnungen erlassen wurden, die durch mehrsprachige Hinweistafeln geregelt wurden. Die 1929 vom Parlament beschlossene Allgemeine Rechtsfahrordnung wurde nicht überall umgesetzt. Vor allem Wien weigerte sich noch lange mit dem Hinweis auf die komplizierte und teure Umstellung der Straßenbahn. Erst mit dem Anschluss 1938 wurde das Rechtsfahrgebot durchgesetzt. Am gegenüberliegenden Ufer liegt die Siedlung Wasserwiese, scheinbar im Wald versteckt. Die Gebäude rechts gehören zum damaligen Depot der Wiener Staatsoper, die bis zum Ende der Monarchie als k.k. Hof Fourage Depot (Pferdefutterlager) genutzt wurden.

Die Stadionbrücke wurde im Herbst 1937 dem Verkehr übergeben und kostete 2,4 Millionen Schilling. Im Zuge der Kampfhandlungen wurde sie im April 1945 zerstört. In den Jahren 1959/60 errichtete Waagner-Biro die heutige Brücke mit einer Breite von 26 m.

Ulla Fischer-Westhauser, © WestLicht

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