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Residenz-Atelier / Albin Kobé (1884–1935)
Halbakt
Österreich, Wien, ca. 1928
Silbergelatineabzug, getont, montiert auf dunkelbraunem Karton, 15,9 x 21,3 c

Der in Klagenfurt geborene Albin Kobé (auch Cobé) wurde nach seiner Fotografenausbildung bei Hermann Heydenhauss in Wien und Hugo Erfurth in Dresden Geschäftsführer des Wiener Residenzateliers. Neben Porträts wurden in diesem Studio, das bereits seit 1914 am Fleischmarkt residierte, in den Zwanzigerjahren zunehmend auch Aktfotografien aufgenommen. Man folgte damit einer zeittypischen Entwicklung, die im Kontext verschiedener Faktoren stand: der Hochblüte der neuen Tanzbewegung in Wien, der lebensreformerischen Freikörperkultur sowie dem Aufkommen von illustrierten Magazinen, in denen Stars und Starlets aus Theater, Tanz, Film und Revue in glamourösen Fotografien abgebildet wurden (meist neben Klatschgeschichten, Artikeln zu Mode und modernem Lebensstil).

Führend in der Glamourfotografie in Wien war das von Olga und Adorján Wlassics gegründete „Studio Manassé”, an dessen Stil sich auch die vorliegende Aufnahme orientiert. Die Bildproduktion von Manassé visualisiert einen Katalog an weiblichen Klischees: Vamp, Diva, Unschuldsengel, Spielzeug(puppe) und Märchenfigur sind die vorherrschenden, die auch miteinander kombiniert wurden. Diese Klischees erscheinen meist unverblümt offensichtlich, unter dem Einsatz von ausgeklügelter Lichtregie und Modellen in typischen Posen, ausgestattet mit Requisiten wie Schleier, Pantöffelchen oder Zigaretten.

Der braun getonte Halbakt entspricht dem Ideal der sinnlichen Frau, die sich ihrer Erotik gleichsam selbst nicht entziehen kann – dass die scheinbar selbstvergessene Berührung, mit der sich das Modell an den Hals fasst, über die Freude am eigenen Körper hinausgeht und an einen (männlichen) Betrachterblick adressiert ist, verrät die manierierte Haltung der anderen Hand. Markantes Detail dieses Bildes ist das deutlich sichtbare Achselhaar, das hier entgegen der im „Studio Manassé” üblichen Praxis nicht weg retuschiert wurde. Brüchigkeiten in der Darstellung eines Schönheitsideals zeigen jedenfalls keine Kritik an vorherrschenden Genderbildern, als vielmehr deren inhärente Widersprüchlichkeit.

Marie Röbl, © WestLicht

Lit.: Monika Faber, Die Frau, wie du sie willst. Glamour, Kult und korrigierte Körper. Atelier Manassé 1922–1938, Wien/München 1999, S. 77 (Abb. einer ähnlichen Aufnahme).

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