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Adolphe-Eugène Disdéri (1819–1889)
Hauptportal des Palais de L’Industrie
Frankreich, Paris, 1855
Stereodaguerreotypie, 8,5 x 17 cm

Die Erfindung der Daguerreotypie fiel in das Zeitalter der ersten Blüte der industriellen Revolution mit vielen gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungen. Die Expansion der Städte, die neuen Eisenkonstruktionen der Ingenieure, die Welt- und Industrieausstellungen und die neu gebauten Häuser und Geschäfte wurden nun von Fotografen auf ihre Silberplatten belichtet.
Daguerreotypien mit Außenaufnahmen sind heute äußerst seltene und gesuchte Stücke am Kunstmarkt. Bei hoher Qualität erzielen sie mittlerweile schwindelerregende Preise. Bei vielen sind Ort und Fotograf unbekannt und das Gesicht der Städte hat sich so sehr verändert, dass man oft detektivisches Gespür braucht um die Orte zu lokalisieren.

In dem vorliegenden Fall ist das einfacher. Die Stereodaguerreotypie zeigt den Haupteingang des Palais de L'Industrie in Paris. Das Palais war eine Ausstellungshalle, die für die Pariser Weltausstellung 1855 errichtet wurde. Das riesige Gebäude befand sich zwischen der Seine und der Champs-Élysées. Es wurde in Zusammenarbeit des Architekten Jean-Marie Victor Viel und der Ingenieure Alexis Barrault und Georges Bridel geschaffen. In der Mitte der 260 m langen Hauptfassade befand sich ein monumentales Portal mit Skulpturen von Élias Robert und Georges Diebolt, welches in unserer Daguerreotypie zu sehen ist. 1897 wurde der Industriepalast zerstört um dem Grand Palais der Weltausstellung von 1900 Platz zu machen. Die Stereoaufnahme von Disdéri ist damit ein wichtiges architekturhistorisches Dokument.

Adolphe-Eugène Disdéri wurde 1819 in Paris geboren; er studierte Malerei, was damals eine übliche Ausbildung für Fotografen war, und arbeitete danach als Schauspieler in einer Theatergruppe. 1847 gründete er sein eigenes Fotostudio in Brest. 1855 bekam er den Auftrag alle ausgestellten Objekte der Weltausstellung im Palais de L‘Industrie zu fotografieren. Es entstanden zahlreiche Stereodaguerreotypien der Ausstellungsräume von innen und außen. Der Erfolg der Weltausstellung war für ihn jedoch nur von kurzer Dauer. 1856 musste er Konkurs anmelden und sein Studio verkaufen. Ein paar Jahre später erlangte er noch einmal Ruhm, denn das Carte-de-Visite-Verfahren, das er 1854 patentieren ließ, trat seinen großen Siegeszug an. Trotz seiner Vielfältigkeit und verschiedenen Erfolge verstarb Disdéri blind, taub und verarmt in Paris.

Anna Zimm, © WestLicht

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