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Anton Josef Trčka, gen. Antios (1893–1940)
Liegender Rückenakt
Österreich, Wien, ca. 1925
Silbergelatineabzug, 11,7 x 16,7 cm
Rücks. mit Bleistift beschriftet „Foto Ringwerkstaetten”, nummeriert „XIV”

Anton Josef Trčka wuchs als Sohn einer tschechischen Zuwandererfamilie in Wien auf. Er begann seine künstlerische Ausbildung 1911 an Karel Nováks Fotoklasse an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt, arbeitete aber stets auch in Dichtung, Malerei, Plastik und Kunstgewerbe. Erlangte er schon zu Lebzeiten kaum wirtschaftlichen Erfolg, wurde seine Rezeption auch dadurch erschwert, dass 1944 ein Großteil seines Œuvres durch einen Bombentreffer zerstört wurde. Mittlerweile sind seine Werke von der Forschung und am Kunstmarkt allerdings überaus anerkannt.

Die Frage, ob Fotografie als kommerziell ausgerichtetes Handwerk oder als eine reiner Gestaltung verpflichtete Kunst zu sehen sei, wurde in den Jahren nach der Jahrhundertwende heftig diskutiert. Eine Verbindung beider Auffassungen, der sog. professionellen Fotografie und der Amateur- bzw. Kunstphotographie, bot der Jugendstil. Trčkas wichtigste Vorbilder waren Schiele und Klimt; der Kunstanspruch seiner Aufnahmen zeigt sich u.a. in der artifiziellen Inszenierung und der Orientierung an der präraffaelitischen und symbolistischen Kunst.

Trčka arbeitete seit ca. 1925 im Atelier der Fotografin Hella Katz am Wiener Stubenring und gründete 1926 an ihrer Adresse die „Ringwerkstätten für Kunsthandwerk und Lichtbildkunst”, die bis ca. 1934 bestanden. In dieser Zeit schuf Trčka neben Akt- und Tanzstudien zahlreiche Porträts seiner Dichter- und Musikerfreunde aus der Anthroposophischen Gesellschaft, für die er auch Lesungen, Vorträge sowie eurythmische Tanzveranstaltungen organisierte.

An dem hier gezeigten Rückenakt lässt sich seine künstlerische Position deutlich ablesen: Der Einfluss des Jugendstils zeigt sich an der Formalisierung der Figur durch eine geschlossene, schwingende Umrisslinie; um die Liegende sind Tücher drapiert, jenes an der Rückenlehne des Polstermöbels hat Trčka selbst entworfen; eine Topfpflanze ist sorgfältig in die Komposition eingebunden. Schließlich akzentuieren mehrere ins Negativ gezeichnete und am Abzug weiß erscheinende grafische Elemente die Gestaltung, am deutlichsten sichtbar in Kopfnähe der Frau, aber auch neben ihrem Ellbogen am linken Bildrand sowie am und um den Blumentopf.

Marie Röbl, © WestLicht

Lit.: Monika Faber, Anton Josef Trčka 1893–1940, hrsgg. Rupertinum Museum für zeitgenössische und moderne Kunst, Wien 1999, S. 105 (Abb.).




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