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Mayito (Mario Garcia Joya, * 1938)
Milizsoldaten entladen einen Laster
Aus 9-teil. Serie zur Invasion an der Schweinebucht
Kuba, 1961
Silbergelatine, ca. 33 x 22 cm
Rücks. signiert, datiert und betitelt in Bleistift

Nach politischen Umstrukturierungen und Verstaatlichungsprozessen im Zuge der Revolution hatten viele Kubaner, besonders die ehemaligen Großgrundbesitzer und Teile der Bourgeoisie, das Land verlassen. Den Enteignungen der vor allem in US-amerikanischem Privatbesitz befindlichen Zuckerplantagen folgte ein von Washington verhängtes Embargo und - in den letzten Tagen Eisenhowers‘ Präsidentschaft - der Abbruch aller diplomatischen Beziehungen. Kuba hingegen wandte sich bei der Suche nach Verbündeten verstärkt Moskau zu, was den Beginn einer besonders konfliktgeladenen Periode des Kalten Krieges einleitete.

Obwohl der neu gewählte US-Präsident Kennedy zunächst eine Politik der Nichteinmischung beabsichtigt hatte, billigte er die vom CIA geplante Invasion der Karibikinsel, die auf einen Sturz der Regierung Fidel Castros abzielte. Auf Bombardements durch US-Flugzeuge folgte ab den Morgenstunden des 17. April 1961 eine dreitägige „Bodeninvasion“ der in Guatemala trainierten Exilkubaner. Die vom amerikanischen Geheimdienst finanzierten Angriffe wurden vom kubanischen Militär jedoch vernichtend geschlagen. Daher gilt die Schweinebucht-Invasion als größter außenpolitischer Fehlschlag der Ära Kennedy und als früher Höhepunkt in einer jahrzehntelangen Gegnerschaft zwischen den USA und Kuba, die erst in jüngster Zeit allmählich auftaut.

Aus historischer Perspektive verweist dieses Motiv auf eine Hochphase des Kalten Kriegs, die eineinhalb Jahre später in der Kubakrise gipfeln sollte. Mehrere Männer sind, vom Betrachter abgewandt, auf bzw. um ein Lastfahrzeug gruppiert. Man beobachtet die in Rücken- und Seitenfiguren abgebildeten kubanischen Soldaten aus einiger Entfernung beim Entladen von militärischem Gerät für die Kampfhandlungen nahe der Ortschaft Playa Girón im Süden Kubas.

Die dynamische Szene ist Teil einer Serie von Mayito alias Mario Garcia Joya, der als fotografischer Korrespondent die Schweinebucht-Invasion dokumentierte. Neben tragenden politischen Ereignissen beschäftigt sich Mayitos Oeuvre vor allem mit dem Alltagsleben der einfachen Bevölkerung in seinen unterschiedlichen Facetten. Als Vertreter einer jüngeren Fotografengeneration zählt er, gemeinsam mit seiner Frau Marucha, zu den Gründungsfiguren der Fototeca de Cuba, einer als Archiv, Museum und Galerie fungierenden Institution, die die Fotografie als integralen Bestandteil der bildenden Künste versteht.

Isabella Riedel © WestLicht

 

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