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Sam Haskins (1926–2009)
Ohne Titel [Akt in Bewegung]
England, London, ca. 1965
Silbergelatineabzug (Ausstellungsprint), 38 x 30,7 cm
Rücks. beschriftet „Pentax Coll.-Nr. 8750-50-111”

Sam Haskins gilt als Pionier der Aktfotografie der Sixties. Bis 1968 arbeitete er im südafrikanischen Johannesburg, danach in London. Seine Arbeit war gleichermaßen wegweisend für Grafikdesigner und Fotografen, etwa Jeanloup Sieff oder David Bailey, aber auch für Entwicklungen in der filmischen Bildsprache. Haskins fotografierte mit Vorliebe Mädchen, die nicht aus professionellen Model-Kreisen stammten und seiner Kamera in natürlichen, auch bewegten Posen selbstbewusst entgegen traten. Unschärfe und Grobkörnigkeit setzte er als essenzielle Gestaltungsmittel seiner Bildästhetik ein.

Ein bestimmender Faktor seiner Arbeit ist auch das performative Element: So führte er seine Aufnahmen häufig in abendfüllenden, von Musik begleiteten Diashows vor, wobei er bis zu 500 Mittelformat-Dias zeigte. Nachhaltig einflussreich und in hohen Auflagen publiziert wurden seine Fotobücher Cowboy Kate (1964) und November Girl (1966). In unkonventionellem Layout stellte Haskins hier Sequenzen aus kleinen Serien sowie Montagen aus Akt- und Landschaftsmotiven zusammen. Die narrativen Inhalte manifestieren sich über die Bilder und ihre Organisation.

Aus der Entstehungszeit dieser Bücher stammt auch die vorliegende Aufnahme, bei der Bewegungsunschärfe und Lichtführung effektvoll eingesetzt sind. Sie ist stilistisch mit einigen Bildern in November Girl vergleichbar, etwa mit der berühmten Raincoat-Serie (wo auch ein schwarzer Lackmantel eine Nebenrolle spielt). Der sprechende (schreiende?), intensive Ausdruck des Mädchens findet sich ebenfalls dort.

Für die Geschichte der Aktfotografie eröffneten Bilder wie dieses ein neues Feld abseits von formelhaften Pin-ups oder klassischen Studioaufnahmen. Den gesellschaftlichen Bedingungen entsprechend, blieben Frauen zwar immer noch Objekte für männlich-begehrliche Blicke und damit auch ein bevorzugtes Motiv für virtuose Fotokunst – aber immerhin spiegelt sich in erotischen Bildern mit einem erweiterten Bewegungsspielraum der Mädchen auch eine Fassette jener Bewegung, die als sexuelle Revolution bekannt ist.

Marie Röbl, © WestLicht


Lit.: Sam Haskins, November Girl, London 1966 (o.P.).

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