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Franz Hubmann (1914–2007)
Pablo Picasso in seiner Villa „La Californie”
Frankreich, Cannes, 1957
Silbergelatineabzug, 40 x 40 cm
Im Bild links unten signiert, rücks. Fotografenstempel

Die 1950er und 60er Jahre werden allgemein als die goldenen Jahre der Reportagefotografie beschrieben. Zahlreiche Fotografen schwärmten aus, um spannende Bilder von den interessantesten Persönlichkeiten und wichtigsten Schauplätzen ans Publikum zu bringen. Einer von ihnen war Franz Hubmann, der damals den Kontakt zu Künstlern in Frankreich aufnahm, um die Atmosphäre jener Zeit mit dem Fotoapparat einzufangen. Unbestritten war Paris damals das Kunstzentrum und Franz Hubmann erkannte sofort, dass man über Kunst nur berichten konnte, wenn man dort persönliche Kontakte knüpfte.

Hubmann verdankte seine Begegnung mit Picasso seiner Hartnäckigkeit: Der Entdecker und einzige Kunsthändler Picassos, Daniel-Henry Kahnweiler, unterstützte Hubmann bei seinen Recherchen zum Thema „Der Olymp von Paris” mit Rat und Tat, weigerte sich aber strickt, einen Besuch bei Picasso in Cannes zu vermitteln. So machte sich Hubmann auf eigene Faust auf den Weg und hatte Glück. Er wurde nach kurzer Anfrage bereitwilligst in der Villa La Californie aufgenommen – und fand dort zu seiner Überraschung auch Kahnweiler vor!

Franz Hubmann wurde in Ebreichsdorf/NÖ geboren. Nach der Mittelschule besuchte er die Lehr- und Versuchanstalt für Textilindustrie. Von 1935 bis 1938 arbeitete er als Textiltechniker in der Hutfabrik, dann wurde er zum Wehrdienst eingezogen und leistete bis zur Gefangenschaft 1945 Kriegsdienst. Von 1946 bis 1949 studierte er an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt und wurde Bildstellenleiter der Österreichischen Fremdenverkehrswerbung, deren Bildarchiv er aufbaute. Von 1954 bis 1962 war er Mitarbeiter am Journal Austria international und Bildredakteur der neu gegründeten Kulturzeitschrift magnum. Zeischrift für das Moderne Leben.

Mit seiner Arbeit lieferte er einen essenziellen Beitrag zur modernen österreichischen Fotografie und beeinflusste nachfolgende Fotografengenerationen wesentlich. In den Jahren 1960 bis 1974 entstanden 17 Fernsehfilme, darunter die fünfteilige Serie „Hohe Schule der Photographie”. Von 1983 bis 1985 war Franz Hubmann Gastprofessor an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Sein Werk wurde in zahlreichen Ausstellungen in München, Hamburg, Köln, Mailand, New York, Rom, Neapel, Kopenhagen und in Österreich gezeigt, der Künstler selbst mit vielen Ehrungen und Preisen ausgezeichnet. Er veröffentlichte an die 80 Bücher, darunter Publikationen mit Naturstudien und Bildern der österreichischen Kulturlandschaft. Zu seinem 90. Geburtstag wurde Franz Hubmann 2004 mit einer Retrospektive im WestLicht. Schauplatz für Fotografie geehrt - eine Kooperation mit der Leica Galerie Wien und der Österreichischen Fotogalerie am Museum der Moderne Salzburg.

Ulla Fischer-Westhauser, © WestLicht

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