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Unbekannter Fotograf
Porträt mit vier Frauen

Frankreich, ca. 1850
Daguerreotypie, 1/1 Platte, in Passepartout und Originalrahmen

Das Familienporträt in „full plate” ist nicht nur in einem prächtigen Stuckrahmen gefasst, sondern auch von außergewöhnlicher Aufnahmequalität. Die Komposition ist kontrastreich und klar. Auffallend an diesem Porträt ist der absolut neutrale Bildraum, der die Darstellung modern wirken lässt. Keine Requisiten, Vorhänge, Studiomöbel oder gemalte Studiokulissen sind zu entdecken.

Vier Mitglieder einer Familie, höchstwahrscheinlich eine Mutter mit ihren drei Töchtern, sind zu einer kompakten Vierergruppe vor dem neutralen Hintergrund arrangiert. Das Gefühl von Einheitlichkeit wird auch durch die ähnlichen Kleider der Porträtierten verstärkt. Auf Grund der schwarz gehaltenen Gewänder aller Frauen liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein Trauerbildnis handelt. Vielleicht ist der Ehemann bzw. Vater der Porträtierten vor kurzem gestorben und die Familie wollte sich aus diesem Anlass, zum Beispiel nach dem Begräbnis, porträtieren lassen. Mitte des 19. Jahrhunderts waren Trauerbildnisse oder Post-Mortem-Darstellungen, in denen auch der tote Angehörige mit auf das Bild kam, keine Seltenheit.

In Kontrast zu der modernen, klaren Komposition steht der aufwändige Stuckrahmen. Derartige Stuckrahmen waren zu dieser Zeit sehr beliebt und von der Porträtmalerei bekannt. Vor allem Full-Plate-Daguerreotypien wie diese wurden im Gegensatz zu den kleinen Viertel- und Sechstel-Platten nicht in Klappetuis gesteckt, sondern repräsentativ gerahmt an die Wand gehängt.

Anna Zimm, © WestLicht

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