DeutschEnglish
facebook twitter youtube flickr instagram

Unbekannter Fotograf
Taking the danger out of flying tricks
USA, Los Angeles, 14.4.1932
Silbergelatineabzug, 24,7 x 19,5 cm
Vorne im Bild Ausschnittmarkierungen in schw. Tinte; rücks. Agenturstempel, Datumsstempel „26.4.1932” sowie 2 Agenturclips mit Text

Der originale Agenturtext des kalifornischen Büros von World Wide Photos auf der Rückseite des Fotos lautet: „All the acrobatics known to aviation can be performed on this queer aeroplane just given its debut at Los Angeles, with the added advantage of the danger being absent. Equipped with standard controls, and powered by an electric motor, it loops, banks, turns at its safe altitude of a few feet, and is said to be invaluable in teaching student pilots the rudiments of flying”.

Die Redaktion des linken, radikaldemokratischen Wiener Blattes Der Abend (Nr. 98, 27.4.1932, Seite 12) machte daraus folgenden Bildtext: „In der Fliegerschule von Los Angeles, Kalifornien, dem Hauptplatz des amerikanischen Flugwesens, wurde ein Apparat eingeführt, der dem Flugschüler in kürzester Zeit vollständige Schwindelfreiheit und Gewöhnung an den scharfen Luftzug beibringt. – Das mit der Schwindelfreiheit würde den Apparat auch für österreichische Bankdirektoren verwendbar machen”.

Dieser letzte Satz sollte den Zustand des österreichischen Bankwesens nach der massiven Bankenkrise ab 1930 auf den Punkt bringen, deren Höhepunkt der Fall der Creditanstalt war. Zwischen 1931 und 1933 mussten der Staat und die Nationalbank eine Milliarde Schilling zur Sanierung der Wiener Banken aufwenden. Die darauf folgende Wirtschaftskrise machte 1932 zum schwärzesten Krisenjahr der Ersten Republik.

Wide World Photos ist die Fotoagentur der US Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Deutlich erkennbar trägt das Foto die für Pressefotos typischen Markierungen an den Rändern, die den gewünschten Bildausschnitt festlegen. Zusätzlich sind Retuschen erkennbar, um die Kontraste zu schärfen, da die Druckqualität in den Tageszeitungen eingeschränkt war.

Der Abend erschien wochentags bis zu zwei Mal täglich. Das Blatt veröffentlichte in jeder Ausgabe eine Bildstrecke auf einer ganzen Seite mit kurzen Bildunterschriften. Die Bilder standen untereinander in keinem Zusammenhang und waren unabhängig von den restlichen Artikeln der Zeitung. Ihr Gründer Karl Colbert (1855–1929) war ursprünglich Bankdirektor und wechselte erst spät zum Journalismus. Der Abend verfolgte eine sehr kritische Linie; Karl Colbert selbst war aktives Mitglied der sozialdemokratischen Partei und unterstützte deren linken Flügel. Nach seinem Tod übernahm bis 1933 Ernst Colbert die Redaktion.

Ulla Fischer-Westhauser, © WestLicht

w3