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Robert Sennecke (1885–1940)
Wein für die Fische des Missouri
USA, 1929
Silbergelatineabzug, 11,3 x 15,5 cm
Rücks. Fotografenstempel „Phot. ACME-Sennecke”, Datumsstempel „24.Okt.1929”, Agenturclip mit Text in Deutsch

Wann immer den Prohibitionsbeamten ein Schlag gegen den Alkoholschmuggel gelungen war, wurden die Fässer für die Presse in spektakulären Aktionen entleert – meist gleich in Flüsse und Kanäle. Bildagenturen sorgten dann für die weltweite Verbreitung. Eine dieser Agenturen gehörte dem Berliner Fotografen Robert Sennecke, von dem heute kaum mehr etwas bekannt ist.

Der Zusatz zur Verfassung über das Verkaufsverbot alkoholischer Getränke trat 1920 in Kraft. Verbände puritanischer Alkoholgegner und Frauenrechtsgruppen setzten sich besonders dafür ein. Dahinter stand die Absicht, die negativen Auswirkungen des Alkoholkonsums einzudämmen, aber auch ein weiterer Aspekt, der uns heute kurios erscheint: es ging es auch um das Verdrängen der vermeintlich deutschen Kultur des Biertrinkens! Dieses Ansinnen verstärkte sich vor und im Ersten Weltkrieg. Am 28. August 1920, also fast zeitgleich mit dem Beginn der landesweiten Prohibition, wurde auch das Frauenwahlrecht in die Verfassung aufgenommen.

Sigmund Freud verglich in seiner religionskritischen Schrift Die Zukunft einer Illusion (1927) u.a. die Religion mit einem Narkotikum: „Wer durch Dezennien Schlafmittel genommen hat, kann natürlich nicht schlafen, wenn man ihm das Mittel entzieht. Dass die Wirkung der religiösen Tröstungen jener eines Narkotikums gleichgesetzt werden darf, wird durch einen Vorgang in Amerika hübsch erläutert. Dort will man jetzt den Menschen – offenbar unter dem Einfluss der Frauenherrschaft – alle Reiz-, Rausch- und Genussmittel entziehen und übersättigt sie zur Entschädigung mit Gottesfurcht. Auch auf den Ausgang dieses Experiments braucht man nicht neugierig zu sein”.

Die „Trockenlegung” der USA hatte wohl einen gewissen Erfolg hinsichtlich der Gesundheit der Bevölkerung, jedoch gravierende Auswirkungen auf die Kriminalität, die bis heute nachwirken. Bekanntlich entstand eine gigantische illegale Alkoholhandelsorganisation, aufgezogen von kriminellen Banden, allen voran die „Cosa Nostra”, die amerikanische Mafia. Mit dem Scheitern dieses „Experiments” und dem Ende der Prohibition 1933 wurden die mächtigen Strukturen der Mafia nicht zerschlagen – sie konnte neue „Geschäftsfelder” mit dem illegalen Drogenhandel erschließen.

Ulla Fischer-Westhauser, © WestLicht

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