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Unbekannter Fotograf
Zwei Geishas bei einer Begrüßungszeremonie
Aus den Reisealben des Tenors Anton Schittenhelm (1849–1923)
Japan, ca. 1880
Albuminpapierabzug, 20,2 x 26,2 cm

Nach einer jahrhundertelangen Politik der strikten Abgeschlossenheit wurde Japan ab 1854 von den Amerikanern mit kolonialistischer Offensivität zu Handelsverträgen aufgefordert und öffnete sich dem westlichen Fortschritt. Seit einem Machtwechsel bzw. Beginn der Meiji-Restauration ab 1868 verlief die wirtschaftliche Entwicklung zur Industrienation erstaunlich rasch. Dagegen blieben die Japaner in kulturellen Dingen ihrer Tradition treu: Fotografieren galt lange als Entweihung und Seelenraub, westlichen Reisenden wurde das Fotografieren untersagt.

Erst durch die Anpassung an die japanische Kultur begann sich die Fotografie um 1880 durchzusetzen: Artifizielle Inszenierungen im Atelier, ein beschränktes Motivrepertoire an Genreszenen, Typenporträts und kanonischen Landschaftsaufnahmen orientierten sich am Farbholzschnitt, der japanischen Kunst des Ukiyo-e. Das wichtigste hieraus entlehnte Stilmittel war das Kolorieren der Abzüge, das man überall sonst im 19. Jahrhundert als geschmacklos empfunden hätte. Es wurde zum typischen Merkmal japanischer Fotografie, die über die Reisealben westlicher Touristen nach Europa kam. Übrigens waren auch die Reisealben selbst, mit ihren aufwändig lackierten und mit Schnitzereien verzierten Deckeln, ein beliebtes Souvenir aus Japan.

Aus den Reisealben von Tenor Anton Schittenhelm, einem langjährigen Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, besitzt das Fotomuseum WestLicht eine große Anzahl an Albuminprints. Diese Aufnahme zeigt zwei Japanerinnen bei einer inszenierten Begrüßungszeremonie im Fotostudio und besticht durch die exiqusite Farbpalette der kolorierten Kimonos. Neben der tiefen Verbeugung sind die Requisiten zur Teezubereitung sowie das im Vordergrund liegende Gastgeschenk typisch für die höfliche Begrüßung bei Besuchen.

Marie Röbl, © WestLicht

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